Ein wichtiger Teilbereich der triebpsychologischen Forschung war die experimentelle
Analyse des Konfliktverhaltens. N.E. Miller entwickelte darauf hin sein bekanntes
Modell des Aufsuchen-Meiden-Konflikts. Die Grundlagen dazu hat Lewin bereits
1931 gelegt. Er definiert: "Ein Konflikt ist psychologisch definieren als
eine Situation, in der gleichzeitig entgegengesetzt gerichtete, dabei aber annähernd
gleich starke Kräfte auf das Individuum einwirken".
Er unterscheidet drei Grundfälle einer Konfliktsituation:
Aufsuchen-Aufsuchen-Konflikt
Man steht zwischen zwei Gegebenheiten oder Zielen , die beide positiven und
annähernd gleichen Aufforderungscharakter (Valenz) haben; man kann jedoch
nicht beide gleichzeitig haben, sondern muß sich für eine Entscheiden.
Meiden-Meiden-Konflikt
Hier hat man zwischen zwei annähernd gleich starken Übeln zu wählen.
Aufsuchen-Meiden-Konflikt
Ein und dieselbe Situation ist zugleich abstoßend und anziehend (z.B Heirat)
Hovland und Sears haben 1938 noch eine weitere Konfliktsituation hinzugefügt,
und zwar :
Doppelter Aufsuchen-Meiden-Konflikt
Doppelter Ambivalenz-Konflikt. Wahl zwischen zwei Begebenheiten von denen jede
sowohl positive als auch negative Seiten hat. (z.B. Berufswahl)
Bereits 1946 hatte Lewin intuitiv vermutet, was später empirisch belegt
werden konnte :
Bei zunehmender Annäherung an das Zielobjekt wachsen die abstoßenden
Kräfte schneller an als die anziehenden.
Nach Lewin ist die Stärke einer Verhaltenstendenz (Kraft) also von zwei
Größen abhängig :
- von der Stärke der Valenz des Zieles
- von der noch zu überwindenden Distanz zum Ziel.
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